Was in diesen Tagen unter unabhängigen Buchhandlungen passiert, ist herzergreifend und hoffnungsvoll. Unzählige Läden solidarisieren sich mit den Ausgeschlossenen, viele wollen sogar ihr Preisgeld teilen. Und das alles ohne Konzernansage oder PR-Absichten. Einfach Menschen, die zusammenrücken. ❤️
Mein Kommentar über die angebliche Schmutzkampagne der Grünen: "Der Schmutz steckt nicht darin, dass jemand das Video geteilt hat. Er steckt im Video selbst. Das ist so, als würde man einem Spiegel vorwerfen, dass einem das eigene Spiegelbild nicht gefällt." www.radioeins.de/programm/sen...
Sollte Wolfram Weimer zurücktreten? Die Antwort ist einfach: Ja. Nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern weil sich ein Muster zeigt. Dieser Mann beschädigt die Kunstfreiheit, die Autonomie kultureller Institutionen und das Amt, das er bekleidet. Weimer muss gehen. Augenblicklich. Sofort.
Das Muster ist immer gleich: Autoritär handeln, maximalen Schaden anrichten, halbherzig zurückrudern, verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb Weimer, er wolle "die Korridore des Sagbaren und Darstellbaren weiten". Was er wirklich tut: Er verengt sie systematisch.
Und jetzt: Weimer streicht drei Buchläden vom Buchhandlungspreis und zwar auf Basis geheimer Verfassungsschutzerkenntnisse, die er selbst nicht kennt und ohne Anhörung. Als die Kritik zu laut wird, sagt er die gesamte Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse ab. Problem gemacht, Problem "gelöst".
Der Angriff auf die Berlinale: Nach propalästinensischen Äußerungen bei der Gala setzte er alles daran, Festivalchefin Tuttle loszuwerden. Erst als Hunderte Filmschaffende protestierten (darunter Goldene-Bär-Gewinner Çatak und Tom Tykwer) ruderte er zurück. Tuttle dürfe "vorerst" bleiben. Vorerst...
Die Interessenkonflikte: Weimer zog sich zwar aus seiner Weimer Media Group zurück, aber seine Frau übernahm. Die Gewinne bleiben in der Familie - Söders Bayern hatte den Gipfel der Weimers mit 700.000 € gefördert. Im Bundestag wurde über seine Entlassung debattiert, die Koalition hielt ihn.
Die Urheberrechts-Affäre: Sein Magazin „The European" hatte jahrelang Texte von Politikern ohne deren Zustimmung veröffentlicht. Ausgerechnet der Mann, der geistiges Eigentum schützen soll. Diverse Autoren und Autorinnen fanden Artikel unter ihren Namen, ohne je davon gewusst zu haben.
Eine seiner ersten Amtshandlungen: Er verbietet 470 Mitarbeitenden seiner Behörde geschlechtergerechte Sprache. Er hätte sich um Kulturförderung kümmern können, um Restitution, um Filmförderung, aber nein: Erstmal einen auf dicken Max machen und das Gendern verbieten.
Schon die Berufung war ein Warnsignal. Weimer, alter Golfgefährte und Nachbar von Friedrich Merz am Tegernsee, ohne kulturpolitische Erfahrung, dafür mit einem "Manifest des Konservativen", dessen völkische Passagen selbst der FAZ aufstießen. Die SZ nannte es die "Tegernsee-Connection".
Als Wolfram Weimer im Mai 2025 Kulturstaatsminister wurde, waren die Befürchtungen groß. Zu groß, sagten manche. "Lasst ihn doch erstmal ankommen, gebt ihm eine Chance." Zehn Monate später lässt sich sagen: Er hat die schlimmsten Erwartungen nicht erfüllt. Er hat sie übertroffen. Ein Thread. 🧵
Trumpingers Katze: Wenn du als iranische Bevölkerung gleichzeitig auf die Straße gehen und zu Hause bleiben sollst.
Die SPD fällt in Baden-Württemberg auf ein historisches Tief von 5,5 Prozent und nennt als Grund die "Zuspitzung auf die Ministerpräsidentenfrage". Solange die Partei für jede Wahlniederlage eine externe Erklärung hat, wird sie auch keine interne Lösung finden.
Wir sollten auf das Aus der FDP in Baden-Württemberg nicht mit Häme reagieren, sondern mit Respekt vor einer Partei, die konsequent das umsetzt, was wir alle von ihr erwarten: zu verschwinden.
Linken-Chef Jan van Aken hat den CDU-Spitzenkandidaten von Baden-Württemberg, Herrn Manuel Hagel, in der ARD eben live als "Pfeife" bezeichnet. Dies ist eine in Worte gefasste Ehrkränkung und verbale Herabwürdigung eines gewählten Volksvertreters unseres Landes, der ich auf das Heftigste zustimme.
Es ist echt bitter: Das Völkerrecht ist das, was der "Gutmensch" mal war, ein Objekt der Häme, fast ein Schimpfwort. Nur dass dies mittlerweile oft aus der Mitte heraus kommt. Wer Völkerrechtsargumente als "naiv" rahmt, macht das Recht des Stärkeren zum Maßstab. Bis er selbst der Schwächere ist.
Trump lobt gerade Friedrich Merz und einem wird schon wieder Angst und Bange, was Merz dafür getan oder versprochen haben wird.
Liebe Medien, ist es so schwer? "Präventivschlag auf Iran" ist die Kriegsbegründung der Angreifer als Überschrift. Im Wort "präventiv" steckt die Rechtfertigung bereits drin. Journalismus wäre, genau das kenntlich zu machen (z.B. mit Anführungszeichen) oder zu hinterfragen, statt es zu übernehmen.
Das Verwaltungsgericht Köln bestätigt rechtsextreme Bestrebungen in der AfD, aber die Partei sei dadurch nicht im Gesamtbild geprägt, die Einstufung daher falsch. Übersetzt heißt das: Wenn in Keller und Erdgeschoss Feuer ist, aber das Dach noch steht, darf man nicht sagen, dass das Haus brennt.
Die "Klimapolitik" der Regierung ist zumindest semantisch eine Fundgrube: "Technologieoffenheit" als Euphemismus für die Rückkehr zu den Fossilen, "Biotreppe" als hübsche Metapher für Aufschub, und "Gebäudemodernisierungsgesetz" als Rebranding eines Rückschritts.
Quelle (Aboartikel): www.spiegel.de/ausland/epst...
Und der SPIEGEL? Der lässt das alles so stehen. Hat viele Zeilen übrig für die Einrichtung bei Herrn Lownie etc, stellt aber keine einzige Nachfrage zur Missbrauchsdimension. Das ärgert mich mindestens so sehr wie der Biograf selbst.
Der Biograf nennt sich "kritischer Freund der Monarchie". Das erklärt die Perspektive: Sein Interesse gilt dem Funktionieren des Systems, nicht den Betroffenen. Die Frauen sind in dieser Erzählung nur Belege für Andrews Fehlverhalten. Keine Subjekte.
Eine "tragische Gestalt"… Mir kommen die Tränen. Das klingt nach jemandem, der an seinem Schicksal leidet. Aber hier geht es nicht um Andrews Schicksal. Die Tragik liegt bei den Opfern, nicht bei dem Mann, der jetzt "gehetzt" aus einem Polizeiauto blickt.
Am Ende nennt Lownie Andrew eine "tragische Gestalt" und kommt allen Ernstes mit einem Shakespeare-Vergleich. Das ist die zwangsläufige Konsequenz dieser Rahmung: Wenn man den Missbrauch weichzeichnet, kann man den Täter als gefallenen Helden erzählen.
Stattdessen allerlei Geplauder über „Frauen in Hotelzimmern", Andrews angebliche „Sexsucht" und diplomatische Peinlichkeiten. Als wäre das Problem vor allem schlechtes Benehmen und nicht sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Minderjährige.
Virginia Giuffre wird zwar zweimal erwähnt, aber was sie Andrew vorwirft (dass sie als Minderjährige zum Sex mit ihm gezwungen wurde) steht nirgends. Die Anerkennung ist funktional: Sie erklärt, warum Andrew aufflog. Nicht, was den Opfern geschah.
Ich lese gerade ein langes SPIEGEL-Interview mit dem Andrew-Biografen Andrew Lownie. Es geht um die Epstein-Affäre, die Festnahme, die Monarchie. Und ich ärgere mich gerade über den SPIEGEL und den Biografen. Denn wisst ihr, was in dem langen langen Gespräch nicht vorkommt? Die Missbrauchsopfer. 🧵
Die Ironie ist also beträchtlich: Trump bietet einem Land mit funktionierender staatlicher Gesundheitsversorgung die "Rettung" durch ein Militärschiff an und ausgerechnet die Privatisierung dieser Gesundheitsversorgung ist es, die die Grönländer fürchten.
Es geht um die Etablierung eines Frames: Grönland = arm, krank, vernachlässigt. USA = zupackend, großzügig, zuständig. Dabei zeigen Umfragen, dass die Grönländer eine Zugehörigkeit zu den USA mehrheitlich ablehnen, nicht zuletzt aus Sorge um ihren Sozialstaat.