Gunnar Sohn

Gunnar Sohn

@gsohn.bsky.social

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten. http://ichsagmal.com

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11 hours ago
Der erste Skitag: Vom Richterdorf ins Schmugglerland 4B969129-F2AF-481D-BB1D-BA2E0B727760 Um sieben Uhr Frühstück, um 8.15 Uhr der Reisebus, und um neun standen wir schon auf der Piste in Samnaun. Viel schneller lässt sich ein Tag kaum aus der Behaglichkeit eines Hotels in die Hochgebirgswirklichkeit überführen. Nach dem stillen ersten Abend in Pfunds, nach Richterhof, Senn-Tafeln und dem lateinischen Satz über der Tür, ging es nun hinauf in einen ganz anderen Geschichtsraum: vom alten Gerichtsort an die Grenze, vom Dorf der Verfassungs- und Freiheitsfiguren in jenes Gelände, in dem einst Kaffee, Tabak und Nylonstrümpfe über den Berg getragen wurden.

Der erste Skitag: Vom Richterdorf ins Schmugglerland

4B969129-F2AF-481D-BB1D-BA2E0B727760 Um sieben Uhr Frühstück, um 8.15 Uhr der Reisebus, und um neun standen wir schon auf der Piste in Samnaun. Viel schneller lässt sich ein Tag kaum aus der Behaglichkeit eines Hotels in die…

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1 day ago
Pferd, Marx, Merz @Bundeskanzler Über den deutschen Exportschlager Nr. 1 in China und dessen Bezug zum Jahr des Pferdes verlor Bundeskanzler Merz in Peking kein Wort - zur Analyse des Sinologen Harro von Senger. Wer China verstehen will, sollte sich nach Auffassung des Sinologen Harro von Senger nicht mit den vordergründigen Daten eines Staatsbesuchs begnügen: mit Handelszahlen, Gesprächsformaten, Pressebildern und dem üblichen Vokabular aus Distanz, Dialog und Austausch.

Pferd, Marx, Merz @Bundeskanzler

Über den deutschen Exportschlager Nr. 1 in China und dessen Bezug zum Jahr des Pferdes verlor Bundeskanzler Merz in Peking kein Wort - zur Analyse des Sinologen Harro von Senger. Wer China verstehen will, sollte sich nach Auffassung des Sinologen Harro von Senger…

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1 day ago
Die letzte Instanz der alten Bundesrepublik – Zum Tod von Jürgen Habermas Ein Abschied von historischem Format Mit Jürgen Habermas ist eine Gestalt des deutschen Geisteslebens gegangen, an der sich die Bundesrepublik über Jahrzehnte gemessen hat. Er wurde 96 Jahre alt. Sein Tod markiert mehr als das Ende eines außergewöhnlich langen und produktiven Lebens; er markiert den Abschied von einer Figur, in der sich Theorie und Intervention, Gelehrsamkeit und Zeitkritik, philosophische Strenge und politische Einmischung auf seltene Weise verbanden.

Die letzte Instanz der alten Bundesrepublik – Zum Tod von Jürgen Habermas

Ein Abschied von historischem Format Mit Jürgen Habermas ist eine Gestalt des deutschen Geisteslebens gegangen, an der sich die Bundesrepublik über Jahrzehnte gemessen hat. Er wurde 96 Jahre alt. Sein Tod markiert mehr als…

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1 day ago
Ein erster Tag in Pfunds: Ankunft im Richterdorf Gegen 11 Uhr kamen wir in Pfunds an, nach einer Nachtfahrt, die wegen der Sperrung auf der A3 länger dauerte als geplant, aber weit weniger unerquicklich war, als es zwölf Stunden auf dem Papier vermuten lassen. Im Bus ließ sich lesen, Musik hören, sogar ein wenig schlafen. Der große Vorteil solcher Anreisen besteht darin, dass man nicht selbst fahren muss. Man steigt nicht zerschlagen aus, eher etwas entrückt.

Ein erster Tag in Pfunds: Ankunft im Richterdorf

Gegen 11 Uhr kamen wir in Pfunds an, nach einer Nachtfahrt, die wegen der Sperrung auf der A3 länger dauerte als geplant, aber weit weniger unerquicklich war, als es zwölf Stunden auf dem Papier vermuten lassen. Im Bus ließ sich lesen, Musik hören,…

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2 days ago
Die enteignete Zukunft – Über die Wissenschaftspolitik in Deutschland JUPITER heißt der Rechner, und schon der Name klingt nach einer Epoche, die sich ihre Götter wieder aus Apparaten baut. Vor solchen Maschinen steht eine Gesellschaft gern mit jenem staunenden Gesicht, das früher Kathedralen galt. Man sieht auf Rechenleistung und meint Zukunft. Man blickt auf Kühlkreisläufe, Chips, Datenströme und verwechselt Kapazität mit Richtung. Genau in diesem Missverständnis liegt die heimliche Brisanz von Manfred Ronzheimers taz-Text über das neue Papier des Wissenschaftsrats.

Die enteignete Zukunft – Über die Wissenschaftspolitik in Deutschland

JUPITER heißt der Rechner, und schon der Name klingt nach einer Epoche, die sich ihre Götter wieder aus Apparaten baut. Vor solchen Maschinen steht eine Gesellschaft gern mit jenem staunenden Gesicht, das früher Kathedralen…

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2 days ago
Ölpreis-Schock: Warum Deutschland jetzt gewinnen kann – wenn es schnell handelt Steigende Ölpreise sind für viele Unternehmen erst einmal ein Warnsignal: höhere Produktionskosten, teurere Transporte, noch mehr Druck auf eine ohnehin fragile Konjunktur. Doch Krisen folgen selten nur einer Logik der Belastung. Sie zwingen zur Anpassung – und setzen dadurch oft genau jene Modernisierung frei, die im Alltag vertagt wird. Der Punkt ist geopolitisch: Öl ist nicht nur ein Rohstoff, sondern ein Stressmesser für eine Welt, in der Handelsrouten, Lieferketten und Energieflüsse wieder politisch werden.

Ölpreis-Schock: Warum Deutschland jetzt gewinnen kann – wenn es schnell handelt

Steigende Ölpreise sind für viele Unternehmen erst einmal ein Warnsignal: höhere Produktionskosten, teurere Transporte, noch mehr Druck auf eine ohnehin fragile Konjunktur. Doch Krisen folgen selten nur einer Logik der…

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3 days ago
Die erschöpfte Organisation: Mentale Gesundheit ist keine Privatangelegenheit der Mitarbeitenden – Sie ist die Kreislaufstörung moderner Arbeit #ZPNord #ZPNachgefragtWeek Was Pivi Scamperle in der ZP-Nachgefragt-Week beschreibt, ist keine neue Mode, kein weiches Thema für schöne Sonntagsreden, kein schmückendes Beiwerk des Employer Branding. Es ist ein Befund. Mentale Gesundheit scheitert in Organisationen selten am Wissen. Sie scheitert am Alltag: an Tempo, Dauerveränderung, Informationsflut, hybrider Vereinzelung und an einer Führung, die oft Gutes will, aber zu wenig in wirksame Praxis übersetzt. Ihre Session „Von Insight zu Impact: Moving Leadership – mentale Gesundheit im Alltag wirklich umsetzen“ war deshalb so relevant, weil sie den Blick weg vom Appell und hin zur konkreten Arbeitswirklichkeit lenkt.

Die erschöpfte Organisation: Mentale Gesundheit ist keine Privatangelegenheit der Mitarbeitenden – Sie ist die Kreislaufstörung moderner Arbeit #ZPNord #ZPNachgefragtWeek

Was Pivi Scamperle in der ZP-Nachgefragt-Week beschreibt, ist keine neue Mode, kein weiches Thema für schöne Sonntagsreden,…

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3 days ago
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Wenn in der Bonner Harmonie der „Piano Man“ wieder das Licht anmacht Das ferne Leuchten aus Manhattan Als ich Billy Joel vor knapp drei Jahren im Madison Square Garden sah, war das kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern eine Begegnung mit einem musikalischen Kosmos, der seit Jahrzehnten den Soundtrack für Sehnsucht, Melancholie und Großstadtromantik liefert. Der Garden wirkte tatsächlich wie das Wohnzimmer des „Piano Man“, ein Ort, an dem jede Wendung, jede vertraute Melodie, jede kleine ironische Brechung ihren Platz hatte.

Wenn in der Bonner Harmonie der „Piano Man“ wieder das Licht anmacht

Das ferne Leuchten aus Manhattan Als ich Billy Joel vor knapp drei Jahren im Madison Square Garden sah, war das kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern eine Begegnung mit einem musikalischen Kosmos, der seit Jahrzehnten den…

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4 days ago
Die Stunde, die alles können soll: Replik auf „Hanks Welt“ @hankrainer Volkmarsen als Weltmarktmodell Es hat etwas Rührendes, wie in Deutschland Weltwirtschaft gemacht wird: Ein Kanzler kommt aus China zurück, sagt in Volkmarsen etwas über Work-Life-Balance, und irgendwo in Peking laufen die Klickzähler heiß. Aus dem Video wird ein Hashtag, aus dem Hashtag eine Diagnose, aus der Diagnose eine Forderung. Wenn man das Land lieben will, muss man seine Symbole ertragen. Diesmal heißt das Symbol: die eine Stunde.

Die Stunde, die alles können soll: Replik auf „Hanks Welt“ @hankrainer

Volkmarsen als Weltmarktmodell Es hat etwas Rührendes, wie in Deutschland Weltwirtschaft gemacht wird: Ein Kanzler kommt aus China zurück, sagt in Volkmarsen etwas über Work-Life-Balance, und irgendwo in Peking laufen die…

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4 days ago
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Gesundheit als betriebswirtschaftliche Vernunft - Ausblick auf die Zukunft Personal Nord am 25. und 26. März in Hamburg - ichsagmal.com Wer die Arbeitswelt dieser Jahre verstehen will, sollte nicht nur auf Konjunktur, Energiepreise und Zinsniveaus schauen. Er sollte auch auf Fehlzeiten, psychische Erschöpfung und die wachsende Fragili...

Gesundheit als betriebswirtschaftliche Vernunft - Ausblick auf die Zukunft Personal Nord am 25. und 26. März in Hamburg ichsagmal.com/gesundheit-a...

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4 days ago

Was für ein Flurschaden für eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. Statt sich - wie großspurig von ihm angekündigt - um die Regulierung von Monopol-Akteuren wie Google zu kümmern, beschädigt Weimar massiv das Ansehen der so wichtigen, kleinen Buchläden im Land. Ein Bärendienst für die Kultur.

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2 months ago
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Der Bot am Ohr des Königs: Warum aus Kundenservice eine Gedächtnisfrage wurde – und was acht Jahre später daran stimmt - ichsagmal.com Der Kundenservice ist die Stelle, an der moderne Unternehmen ihre eigene Komplexität spüren – und sie dem Kunden weiterreichen. Wer dort anruft, landet oft in einem System, das so tut, als sei jeder K...

Der Bot am Ohr des Königs: Warum aus Kundenservice eine Gedächtnisfrage wurde – und was acht Jahre später daran stimmt | @gsohn.bsky.social
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1 month ago
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Der Mythos vom Bürokratieabbau – und die neue Lust am Formular: Warum wir seit Jahrzehnten „Entlastung“ rufen und am Ende doch nur die Papierstapel umsortieren - ichsagmal.com Das Ritual: „Wir bauen Bürokratie ab“ und gründen erst mal eine Taskforce Bürokratieabbau ist längst keine Politik mehr, sondern Liturgie. Ein Bekenntnis, das jede Legislaturperiode wie eine Regierung...

Der Mythos vom Bürokratieabbau – und die neue Lust am Formular: Warum wir seit Jahrzehnten „Entlastung“ rufen und am Ende doch nur die Papierstapel umsortieren | @gsohn.bsky.social
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5 days ago
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Mistral: Europas KI-Champion ist längst im Geschäft mit Militär und autonomen Waffen Die Wogen sind ordentlich hochgegangen rund um den Pentagon-Deal, den OpenAI schloss und Anthropic verweigerte. Das geht so weit, dass die

Mistral: Europas KI-Champion ist längst im Geschäft mit Militär und autonomen Waffen. www.trendingtopics.eu/mistral-euro...

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5 days ago
Autoländ. Die Krokodilstränen der Spitzenverbände @WolfLotter Wenn Spitzenverbände über den Verlust von Industriearbeitsplätzen klagen, klingt es jedes Mal, als habe jemand nachts die Werkstore abgeschraubt. Ein Schock aus heiterem Himmel. Ein böser Zauber namens „Deindustrialisierung“. Und selbstverständlich: niemand in der Wirtschaft kann etwas dafür. Nur blöd, dass dieser Zauber seit Jahrzehnten dieselbe Handschrift trägt – die der eigenen Mitglieder. Wolf Lotter hat das auf X in ein Wort gegossen: „Autoländ.“ Und in einen Satz, den man als Triggerwarnung vor jede Verbandspressekonferenz hängen sollte: „Man muss schon wirklich sehr, sehr dumm sein, um nicht zu merken, was da läuft.“ Der Ton ist derb.

Autoländ. Die Krokodilstränen der Spitzenverbände @WolfLotter

Wenn Spitzenverbände über den Verlust von Industriearbeitsplätzen klagen, klingt es jedes Mal, als habe jemand nachts die Werkstore abgeschraubt. Ein Schock aus heiterem Himmel. Ein böser Zauber namens „Deindustrialisierung“. Und…

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5 days ago
Über den diskreten Charme literarischer Ranglisten #SignaturenMagazin Es gehört zu den kleinen Zumutungen des digitalen Zeitalters, dass es selbst dort zu zählen beginnt, wo man früher noch unterschied. Auch die Literatur bleibt von diesem Hang zur Numerisierung nicht verschont. Was gelesen wurde, wird geklickt; was geklickt wurde, wird gelistet; und was gelistet ist, darf sich, für einen flüchtigen Augenblick jedenfalls, des Anscheins erfreuen, es habe damit schon etwas wie Geltung erlangt.

Über den diskreten Charme literarischer Ranglisten #SignaturenMagazin

Es gehört zu den kleinen Zumutungen des digitalen Zeitalters, dass es selbst dort zu zählen beginnt, wo man früher noch unterschied. Auch die Literatur bleibt von diesem Hang zur Numerisierung nicht verschont. Was gelesen wurde,…

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5 days ago
Paul Feyerabend: Was die privaten Tonaufnahmen von 1984 bis 1993 über den berühmtesten Unruhestifter der Wissenschaftsphilosophie verraten Von Paul Feyerabend ist viel Lärm im Umlauf. Der Name ruft sofort die bekannten Reizwörter auf: Wissenschaftsanarchismus, Methodenfeindschaft, „Anything goes“, Angriff auf den Szientismus. Das sitzt fest, so fest, dass man darüber leicht übersieht, was für ein Ton in diesem Denken eigentlich herrschte. Denn Feyerabend war nie bloß ein Sprengmeister der Methode. Er war, tiefer und eigensinniger, ein Mann des Hörens: der Stimme, des Rhythmus, der Szene, des Auftritts, des Abgangs, der dramatischen Pause.

Paul Feyerabend: Was die privaten Tonaufnahmen von 1984 bis 1993 über den berühmtesten Unruhestifter der Wissenschaftsphilosophie verraten

Von Paul Feyerabend ist viel Lärm im Umlauf. Der Name ruft sofort die bekannten Reizwörter auf: Wissenschaftsanarchismus, Methodenfeindschaft, „Anything goes“,…

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5 days ago
Wenn der Sturm kommt: Warum Corporate Influencing an Organisationen scheitert – und woran es wächst #ZukunftPersonalNord Überlegungen zu Winfried Ebners These, warum Corporate-Influencer-Initiativen an Organisationen scheitern Winfried Ebner macht in seiner zweiten Episode „Corporate Influencer Kompakt“ eine Beobachtung, die man in vielen Unternehmen inzwischen fast als Naturgesetz behandeln muss: Corporate Influencing wird zu oft als Plattform- und Contentfrage diskutiert – Profil, Reichweite, Postingplan – und zu selten als Organisationsfrage. Sein Kernargument ist sauber: Sobald Mitarbeitende sichtbar miteinander vernetzt agieren, verändern sich Arbeitsweisen.

Wenn der Sturm kommt: Warum Corporate Influencing an Organisationen scheitert – und woran es wächst #ZukunftPersonalNord

Überlegungen zu Winfried Ebners These, warum Corporate-Influencer-Initiativen an Organisationen scheitern Winfried Ebner macht in seiner zweiten Episode „Corporate Influencer…

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6 days ago
Wer liest, liegt nicht bequem: Buchvorstellung in Bonn zum 10. Todestag von Roger Willemsen mit seinem Lektor Jürgen Hosemann – Lesung der Texte: Hektor Haarkötter Es beginnt mit einer Frage, die in Wahrheit keine Höflichkeit ist, sondern eine Zumutung: „Liegen Sie bequem?“ Wer sie hört, glaubt zunächst, es gehe um eine Haltung des Körpers. Roger Willemsen aber wusste, dass jede wahre Lektüre mit dem Gegenteil beginnt: mit einer kleinen Störung der Bequemlichkeit. Nicht der Leser soll es sich gemütlich machen im Text; der Text soll sich, wenn er etwas taugt, in den Leser einnisten, ihn verrücken, verunsichern, neu disponieren.

Wer liest, liegt nicht bequem: Buchvorstellung in Bonn zum 10. Todestag von Roger Willemsen mit seinem Lektor Jürgen Hosemann – Lesung der Texte: Hektor Haarkötter

Es beginnt mit einer Frage, die in Wahrheit keine Höflichkeit ist, sondern eine Zumutung: „Liegen Sie bequem?“ Wer sie hört, glaubt…

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6 days ago
KI-Vormärz, KI-Biedermeier, KI-Apokalyptik? Es gehört zu den eigentümlichen Ritualen der deutschen Gegenwart, dass fast jede neue Technologie zuerst von ihren Kommentatoren moralisch eingekesselt wird, bevor man sich mit ihr praktisch beschäftigt. Kaum taucht etwas auf, das Arbeitsweisen, Märkte und Machtverhältnisse verändert, wird nicht etwa gefragt, wie man es produktiv macht, sondern ob es uns geistig korrumpiert, sozial entwurzelt, politisch entmündigt oder gleich die Gattung auslöscht.

KI-Vormärz, KI-Biedermeier, KI-Apokalyptik?

Es gehört zu den eigentümlichen Ritualen der deutschen Gegenwart, dass fast jede neue Technologie zuerst von ihren Kommentatoren moralisch eingekesselt wird, bevor man sich mit ihr praktisch beschäftigt. Kaum taucht etwas auf, das Arbeitsweisen, Märkte…

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6 days ago
Vom Buch zur Siliziummacht: Ein Gespräch zwischen Lischka und Kittler über Medien jenseits des Sinns Das Gespräch zwischen Gerhard Johann Lischka und Friedrich Kittler ist nicht einfach ein Interview über Medien. Es ist selbst schon eine kleine Szene jener historischen Verschiebung, die Kittler beschreibt: Die Theorie löst sich vom Primat des Sinns und wendet sich den materiellen Bedingungen zu, unter denen Sinn überhaupt erst zirkulieren kann. Lischka fragt noch aus einer Tradition der Geistes- und Kunstwissenschaft heraus nach Inhalten, Herkunft, Epochen und Geschlechterordnungen; Kittler antwortet mit einer radikalen Verschiebung des Blicks.

Vom Buch zur Siliziummacht: Ein Gespräch zwischen Lischka und Kittler über Medien jenseits des Sinns

Das Gespräch zwischen Gerhard Johann Lischka und Friedrich Kittler ist nicht einfach ein Interview über Medien. Es ist selbst schon eine kleine Szene jener historischen Verschiebung, die Kittler…

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1 week ago
Die Konservierungs-Illusion: Warum Industriepolitik die Zukunft nicht retten kann, indem sie die Vergangenheit stützt Industriepolitik hat sich an ein Ritual gewöhnt: Wenn Produktion sinkt, sollen Strukturen „gerettet“ werden. Gemeint sind Werke, Lieferketten, Produktlinien, Beschäftigung – möglichst so, wie sie gestern waren. Das klingt bodenständig. Es ist oft der teuerste Weg, weil er am Kern vorbeigeht: Nicht die Industrie verschwindet, sondern ihre alte Zusammensetzung. Wer Strukturen konserviert, konserviert meist Klumpenrisiken. Der Pioneer-Text „Wohlstand von Unten“

Die Konservierungs-Illusion: Warum Industriepolitik die Zukunft nicht retten kann, indem sie die Vergangenheit stützt

Industriepolitik hat sich an ein Ritual gewöhnt: Wenn Produktion sinkt, sollen Strukturen „gerettet“ werden. Gemeint sind Werke, Lieferketten, Produktlinien, Beschäftigung –…

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1 week ago
Dirk Baeckers neues Suhrkamp-Buch „Digitalisierung“ und die späte Einsicht, dass Suchmaschinen keine Gesellschaftstheorie ersetzen Der Satz „Luhmann statt Google“ steht nicht bei Dirk Baecker. Er stammt von mir. Ich habe ihn über einen älteren Text gesetzt, den ich 2019 noch einmal hervorgeholt habe, um zu prüfen, wo der frühe Instinkt in Sachen Computerkommunikation trug und wo er sich täuschte. Die spätere Diskussion in der #RheinlandRunde über den Niedergang lokaler und regionaler Medien im Rheinland gehört in dieselbe autobiographische Linie: als publizistische Selbstkontrolle, nicht als Baecker-Exegese.

Dirk Baeckers neues Suhrkamp-Buch „Digitalisierung“ und die späte Einsicht, dass Suchmaschinen keine Gesellschaftstheorie ersetzen

Der Satz „Luhmann statt Google“ steht nicht bei Dirk Baecker. Er stammt von mir. Ich habe ihn über einen älteren Text gesetzt, den ich 2019 noch einmal hervorgeholt…

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1 week ago
Der Kompass, der sich dem Norden verweigert Ein alter Bus, der nicht geschniegelt über Autobahnen gleitet, sondern die kleinen, nicht digitalisierten Linien nimmt – jene Wege, auf denen der Zufall noch Vorfahrt hat. Im Armaturenbrett kein Heilsversprechen aus Satelliten, keine Stimme, die die Welt in „in 300 Metern rechts“ zerlegt. Stattdessen Blick nach vorn: offen. So hat sich „Gernstl unterwegs“ über 42 Jahre angefühlt – weniger als Fernsehformat denn als gelebte Poetik der Kontingenz.

Der Kompass, der sich dem Norden verweigert

Ein alter Bus, der nicht geschniegelt über Autobahnen gleitet, sondern die kleinen, nicht digitalisierten Linien nimmt – jene Wege, auf denen der Zufall noch Vorfahrt hat. Im Armaturenbrett kein Heilsversprechen aus Satelliten, keine Stimme, die die Welt…

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1 week ago
Der digitale Doppelgänger: Warum die Angst vor KI-Agenten am eigentlichen Problem vorbeigeht #EinsteinApp #Wahlster #DFKI #ZPNachgefragtWeek Der Skandal, der keiner ist Die Debatte um KI-Agenten liebt den Moment der Empörung: Eine App taucht auf, verspricht, das Studium gleich mit zu erledigen, und verschwindet wieder – und schon steht das Urteil fest. Betrug. Bildungszerstörung. Ende der Leistungsprinzipien. Die „Einstein“-App – ein autonomer Agent, der sich im Namen von Studierenden in Lernsysteme einloggt, Vorlesungen „anschaut“, Paper liest, in Foren diskutiert und Hausarbeiten schreibt – lieferte diesen Moment in Reinform.

Der digitale Doppelgänger: Warum die Angst vor KI-Agenten am eigentlichen Problem vorbeigeht #EinsteinApp #Wahlster #DFKI #ZPNachgefragtWeek

Der Skandal, der keiner ist Die Debatte um KI-Agenten liebt den Moment der Empörung: Eine App taucht auf, verspricht, das Studium gleich mit zu erledigen,…

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1 week ago
Die Rückkehr des Schalls: Max Raabe & Palast Orchester mit „Hummel streicheln“ in der restaurierten Beethovenhalle Manchmal braucht ein Gebäude keine neue Bestimmung, sondern nur seine alte Stimme zurück. Die Beethovenhalle, lange eher Legende als Gegenwart, knüpft nach der Restaurierung hörbar an jenen Gründungsoptimismus an, der 1959 in Fachkreisen in akustischer Euphorie kulminierte: ein Konzertsaal als wissenschaftlich geplantes Instrument, jeder Platz „mitten im Schallgeschehen“, dynamische Schwankungen kaum merklich, zugleich geeignet für barocke Linearität wie für romantische Klangmassen.

Die Rückkehr des Schalls: Max Raabe & Palast Orchester mit „Hummel streicheln“ in der restaurierten Beethovenhalle

Manchmal braucht ein Gebäude keine neue Bestimmung, sondern nur seine alte Stimme zurück. Die Beethovenhalle, lange eher Legende als Gegenwart, knüpft nach der Restaurierung hörbar an…

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1 week ago
Wer KI nur für Texte nutzt, wird Plattform-Zulieferer Am Beispiel DuMont zeigt sich: Wer KI nur als Textmaschine nutzt, bleibt Zulieferer. Wer KI als Operating Model baut, gewinnt Tempo, Relevanz – und Marge. Die Medienbranche hat sich jahrelang an einer beruhigenden Idee festgehalten: Wenn die Inhalte stimmen, wird es schon irgendwie funktionieren. Nur leider hat sich das Spielfeld verändert. Auflagen sinken, Werbung ist volatil, Plattformen setzen Preise und Regeln.

Wer KI nur für Texte nutzt, wird Plattform-Zulieferer

Am Beispiel DuMont zeigt sich: Wer KI nur als Textmaschine nutzt, bleibt Zulieferer. Wer KI als Operating Model baut, gewinnt Tempo, Relevanz – und Marge. Die Medienbranche hat sich jahrelang an einer beruhigenden Idee festgehalten: Wenn die…

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1 week ago
Fünf Weisen, null Orientierung: Wie ein Spitzengremium seine Autorität verspielt @MonikaSchnitzer @MonikaSchnitzer @umalmend @AchimTruger @MartinWerding @GFelbermayr Wenn ein beratendes Expertengremium in der Öffentlichkeit mit „großer Verwunderung“ und „allergrößtem Bedauern“ auf eine Personalentscheidung reagiert, ist das schon bemerkenswert genug. Wenn sich dann eines der verbleibenden Mitglieder öffentlich davon distanziert – „Ich habe dem Statement nicht zugestimmt“ – ist es kein Betriebsunfall mehr, sondern ein Symptom. Denn das ist der eigentliche Skandal: Nicht dass das Mandat von Ulrike Malmendier nach dreieinhalb Jahren nicht verlängert wurde (so unerquicklich das für die Qualität der Politikberatung sein mag), sondern…

Fünf Weisen, null Orientierung: Wie ein Spitzengremium seine Autorität verspielt @MonikaSchnitzer @MonikaSchnitzer @umalmend @AchimTruger @MartinWerding @GFelbermayr

Wenn ein beratendes Expertengremium in der Öffentlichkeit mit „großer Verwunderung“ und „allergrößtem Bedauern“ auf eine…

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1 week ago
Nicht totzukriegen: Warum X im Profidiskurs eher stärker wird Wer über X spricht, landet schnell bei Personenkult: Besitzer, Skandale, Stilfragen. Das ist bequem – und oft unerquicklich. Aber medienpolitisch führt es am Kern vorbei. Entscheidend ist nicht, wer das Licht einschaltet. Entscheidend ist, ob die Leitung noch Strom liefert. Sie liefert. Und zwar gerade dort, wo Öffentlichkeit hergestellt wird: im Politik- und Wirtschaftsteil, in den Redaktionen, in den Netzwerken der Sachverständigen, Analysten, Verbände, Thinktanks.

Nicht totzukriegen: Warum X im Profidiskurs eher stärker wird

Wer über X spricht, landet schnell bei Personenkult: Besitzer, Skandale, Stilfragen. Das ist bequem – und oft unerquicklich. Aber medienpolitisch führt es am Kern vorbei. Entscheidend ist nicht, wer das Licht einschaltet. Entscheidend…

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1 week ago
Kommentar: „Nur zum Spaß“ ist keine Unschuld – es ist ein Marktsignal Mich stört an der ganzen Debatte eine Geisteshaltung, die im Netz seit Jahren als Tugend verkauft wird: „Wir machen das einfach nur aus Spaß.“ Als sei „Spaß“ ein ethischer Freifahrtschein. Als sei Publizieren ein Hobby wie Modelleisenbahn – nur dass hier nicht kleine Züge kreisen, sondern Aufmerksamkeit, Reichweite, Deutungshoheit und am Ende auch politische Wirklichkeit. #9vor9 war mal ein kommerzielles Projekt.

Kommentar: „Nur zum Spaß“ ist keine Unschuld – es ist ein Marktsignal

Mich stört an der ganzen Debatte eine Geisteshaltung, die im Netz seit Jahren als Tugend verkauft wird: „Wir machen das einfach nur aus Spaß.“ Als sei „Spaß“ ein ethischer Freifahrtschein. Als sei Publizieren ein Hobby wie…

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